Erfurt: Lebensgefühl verschiedener Epochen

Das Café Mundlandung auf der Krämerbrücke.

Die mittelalterliche Stadt, durch die sich die wilde Gera schlängelt, gilt als geografischer Mittelpunkt Deutschlands. Sie ist inzwischen über 1270 Jahre alt. Dank der geringen Zerstörung Erfurts im Zweiten Weltkrieg blieb die architektonische Vielfalt sämtlicher Stilepochen erhalten.

Die Innenstadt von Erfurt.

Vornehme Patrizierhäuser, Fachwerkbauten, die schönen Altstadt-Passagen – das sind alles Hingucker. Auf dem Petersberg thront seit 1707 eine barocke Festung, von der aus man einen herrlichen Blick auf die Stadt und auf den gotischen Dom nebst Severikirche hat. Überhaupt ist die Stadt reich an Kirchen und Museen. Herausragend die mittelalterliche Synagoge mit der Mikwe, dem rituellen Tauchbad.

Die Krämerbrücke ist beidseitig bebaut.

Die größte Attraktion ist jedoch die 120 Meter lange Krämerbrücke, beidseitig mit Häusern bebaut. Sie wurde im 11. Jahrhundert aus Holz errichtet. Erst 1325 wurde mit Steinen gebaut. Es entstanden 62 schmale Häuschen. An den Brückenenden wurde je eine Kirche errichtet. In dieser Zeit hatte die Brückenkrämer-Zunft das Sagen. Kleinwaren und Kramläden galten als Warenaustauschplätze.

Puppenschnitzer Martin Gotsch.

Heute stehen nur noch die Ägidienkirche und 32 fein restaurierte Häuser. Die Händler, Neben Handwerkern und Künstlern, die hier ihre Träume verwirklichen wollen, findet man auch Feinkostläden mit Thüringer Spezialitäten, ein Münzfachgeschäft und einen Linkshänderladen, aus dessen Werbung hervorgeht: „Die Tasse kleckert nur in der Rechten.“ Hier findet man alles, vom Toaster bis zum Gartenzwerg, Kitsch inbegriffen. Einige Schritte entfernt kann man dem Puppenschnitzer Martin Gotsch über die Schulter schauen. Auf der anderen Seite der Brücke bietet Bettina Vick Holzkisten an, die gefüllt sind mit einheimischen Spezialitäten, Lauschaer Glas und Unstrut-Weinen. Mit mediterranen und Thüringer Produkten überrascht auch das Café „Mundlandung“.

Das Café Mundlandung auf der Krämerbrücke.

Erfurt kann sich mit berühmten Persönlichkeiten aus der Vergangenheit zieren – wie Martin Luther, Napoleon, Goethe, Adam Ries, Franz Liszt, Clara Schumann und Niccolo Paganini. 1685 kam hier Gartenbaumeister Christian Reichhart zur Welt. Durch sein Vermächtnis ist Erfurt europaweit als Blumenstadt bekannt geworden – und nicht etwa durch den hier entstandenen Spruch „Die Kurve kratzen“, nur, weil vor einigen Jahrhunderten die Fuhrwerker in der engen Waagegasse an einem Stein scheiterten und deshalb kaum um die Ecke kamen. Nein, wer Erfurt besucht, möchte hier ganz bestimmt nicht so schnell die Kurve kratzen.


Tipps:

Text und Fotos: Elke Petra Thonke